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Ein Blick über den Tellerrand
Das Rollstuhlprojekt der EP3

15.05.2014

Die TeilnehmerInnen in der Sporthalle

Um der Klasse einen Einblick in das Leben als körperlich Behinderter zu geben, wurde die EP3 am 07.04.2014 und am 08.04.2014 von drei Rollstuhlfahrern besucht. Die ersten Probleme zeigten sich schon nach dem Ausladen der acht mitgebrachten Rollstühle: Ohne Hilfe war es für die drei Herren auf Grund der Treppenstufen gar nicht erst möglich, in den Mehrzweckraum zu gelangen und auch wir wussten nicht genau, wie wir uns in dieser Situation verhalten sollten.  
Nachdem wir die drei Rollstuhlfahrer heruntergetragen hatten, saßen alle gemeinsam in einem großen Kreis im Mehrzweckraum und hörten gespannt den Erzählungen der Betroffenen zu. Es kristallisierte sich schnell heraus, dass die Ursachen für die Notwendigkeit eines Rollstuhls viele verschiedene sein können und auch der Grad der Beeinträchtigung variieren kann. Während Uwe nach einem unverschuldeten Motorradunfall ab der Brust querschnittsgelähmt ist, wurden bei Eduard beide Beine bis zum oberen Teil des Oberschenkels durch einen Arbeitsunfall abgetrennt; er hat also im Gegensatz zu Uwe noch die volle Funktion der unteren Rücken– und Bauchmuskulatur. Durch einen unverschuldeten LKW–Unfall verlor Martin beide Beine bis in die Höhe des mittleren Oberschenkels und ist deshalb wie Eduard auf Beinprothesen angewiesen, hat aber ebenfalls keine Lähmungserscheinungen. Nach der Gesprächsrunde, in der wir zugegebenerweise noch nicht ganz aufgetaut und eher erschrocken über die Schicksale der Referenten waren, fanden wir uns in Gruppen zusammen und beantworteten, verstreut in der ganzen Schule, Fragen über unsere Erfahrungen mit Behinderung. Bei der anschließenden Besprechung zeigte sich, dass auch einige von uns Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen in der nahen Verwandtschaft haben. Es kam außerdem ans Licht, dass unsere Schule eigentlich überhaupt nicht behindertengerecht gebaut ist, allein schon wegen der Treppen, die in den ersten Stock führen. Wir diskutierten unter anderem die Frage, wie man einem körperlich Behinderten auf der Straße helfen sollte. Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass man auf jeden Fall die Hilfe anbieten, aber auf keinen Fall einen Rollstuhlfahrer, z.B. einfach ohne mit ihm zu sprechen, über die Straße schieben sollte.  
Bevor es zum Rollstuhlbasketball in die Turnhalle ging, konnten wir uns mit einem Essen in der neuen Mensa stärken und dabei weiterhin das Gespräch zu den Referenten suchen. Als wir dann die Rollstühle gemeinsam zur Turnhalle gebracht hatten, bekamen wir ein erstes Gefühl für das Sitzen im Rollstuhl: Schon auf dem Weg zur Sporthalle kippten einige von uns mit dem Rollstuhl um oder kamen den Bordstein nicht hoch. Als Aufwärmübung wurde ein Slalomparcour in der Halle aufgebaut, den wir dann in zwei Teams meistern sollten, wobei das Ganze wirklich nicht so einfach und der Rollstuhl längst nicht so beweglich war, wie es zunächst schien. Nun kam es schließlich zum Höhepunkt des Tages: In zwei wechselnden Teams spielten wir Rollstuhlbasketball. Die größte Schwierigkeit war wohl, den Korb von einer so ungewohnten „Tiefe“ zu treffen. Zunächst lief das Spiel noch etwas zäh, doch nachdem Uwe uns einen Trick zum Aufholen des Balls zeigte, hatten alle sehr viel Spaß. So viel Spaß, dass wir auch am nächsten Projekttag wieder Basketball spielen wollten. Glücklicherweise konnte Herr Bogendörfer noch einmal die Sporthalle für uns organisieren. Wenn man gerade nicht am Spielen war, konnte man sich weiterhin mit den Rollstuhlfahrern austauschen.  
Unser Projekt endete schließlich damit, dass uns Eduard und Uwe ihre für Gehbehinderte umgebauten Autos zeigten und die aufwendige Technik, die dahinter steckt, erklärten. Uns haben die beiden interessanten Tage mit den Rollstuhlfahrern sehr viel Spaß gemacht und wir haben auf jeden Fall eine große Menge an neuen Erfahrungen und Wissen mitnehmen können. Wir bedanken uns im Namen der ganzen Schule für das Engagement und die Zeit von Uwe Wagner, Eduard Dauster und Martin Gürth.  
 
Schülerinnenbericht von Louisa Gerhard und Hannah Bold 


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