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TWG ist Hauptpreisträger des Saarländischen Schulpreises
Heute Abend erhielt das TWG des Hauptpreis des Saarländischen Schulpreises 2013

14.05.2013

Schulsprecherin Marie Lehnert und Michell Dittgen zeigen stolz die Auszeichnung. Mit dabei (v.l.n.r.): Stefan Rech (Beigeordneter des Landkreises Saarlouis), Bildungsminister Ulrich Commercon, TWG-Lehrer Michael Müller, Schulleiter Herbert Jacob und Bernhard Strube (Elterninitiative für Bildung) Foto: Pasquale D' Angiolillo

Das Technisch-Wissenschaftliche Gymnasium Dillingen ist Hauptpreisträger des mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Saarländischen Schulpreises 2012/2013. Im Beisein des Schirmherrn Bildungsminister Ulrich Commerçon wurde das Oberstufengymnasium in einer feierlichen Veranstaltung in der Saarbrücker Congresshalle am Dienstagabend (14.5.) für seine herausragende pädagogische Arbeit geehrt. In seiner Laudatio sagte Jurymitglied Prof. Dr. Roland Brünken, Professor für Bildungsforschung an der Universität des Saarlandes:  
 
"Umgang mit Heterogenität gehört gemeinhin nicht zu den erklärten Lieblingsthemen gymnasialer Schulformen. Wer es wie sie gewohnt ist, die leistungsstärkere obere Hälfte der Schüler zu seiner Klientel zu zählen, macht sich ersichtlich weniger Gedanken um individuelle Förderung und Defizitausgleich... Umso erstaunlicher – und preiswürdiger – ist es, eine Schule zu finden, die gymnasialen Anspruch und Realität explizit verbindet mit dezidierten Konzepten des Umgangs mit Heterogenität und der individuellen Förderung. Beginnend mit einer sorgfältigen Diagnose individueller Lernvoraussetzungen und einem einwöchigen Einführungsworkshop werden die neuen Schüler in die Schulgemeinschaft aufgenommen mit dem Ziel, eine hohe Lernbereitschaft in der heterogenen Schülerschaft zu aktivieren.“  
 
Die aus Wissenschaftlern sowie Schulpraktikern aus dem Saarland und von außerhalb besetzte Jury hat die Preisträger auf der Grundlage der schriftlichen Unterlagen zu den Qualitätskriterien des Preises sowie ihres unmittelbaren Eindrucks bei eineinhalbtägigen Schulbesuchen aus den Bewerbungen ausgewählt.  
 
 
 
Laudatio der Jury  
 
Prof. Dr. Roland Brünken  
Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität des Saarlandes, Lernpsychologe; Studiendekan der Philosophischen Fakultät; St. Ingbert  
 
"Umgang mit Heterogenität gehört gemeinhin nicht zu den erklärten Lieblingsthemen gymnasialer Schulformen. Wer es wie sie gewohnt ist, die leistungsstärkere obere Hälfte der Schüler zu seiner Klientel zu zählen, macht sich ersichtlich weniger Gedanken um individuelle Förderung und Defizitausgleich. Vielmehr scheint hier all zu oft ein „one size fits all“ die pädagogische Devise zu sein. Nicht zuletzt deshalb gehören Gymnasien aus Sicht der Schulentwicklung bedauerlicherweise eher seltener zu den Innovationsmotoren. Umso erstaunlicher – und preiswürdiger – ist es, eine Schule zu finden, die gymnasialen Anspruch und Realität explizit verbindet mit dezidierten Konzepten des Umgangs mit Heterogenität und der individuellen Förderung. Beginnend mit einer sorgfältigen Diagnose individueller Lernvoraussetzungen und einem einwöchigen Einführungsworkshop werden die neuen Schüler in die Schulgemeinschaft aufgenommen mit dem Ziel, eine hohe Lernbereitschaft in der heterogenen Schülerschaft zu aktivieren.  
Der Hintergrund dieser besonderen Bemühungen liegt naturgemäß in der nicht gewöhnlichen Struktur und Klientel der Schule. Sie nimmt als Oberstufengymnasium Schülerinnen und Schüler aus 20 Schulen der drei unterschiedlichen Schulformen IGS, ERS und Gymnasium auf. 350 Schülerinnen und Schülern mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen besuchen die Jahrgangsstufen 10 bis 12. Der Großteil der Eltern dieser Schüler arbeitet im Handwerk oder in der Industrie, nur wenige haben eine akademische Ausbildung. Etwa 2/3 der Schüler sind die ersten der Familie, die eine Hochschulreife erreichen.  
 
Eine solche Schülerschaft ist eine besondere Klientel, und die Gutachtergruppe war beeindruckt nicht nur von ihrer hohen Leistungsbereitschaft und der Motivation der Schülerinnen und Schüler sondern vor allem von der bemerkenswerten Identifikation mit „ihrer“ Schule. Gleiches fand sich auch bei Elternschaft, Kollegium und Schulleitung, so dass der lebendige Eindruck einer gelebten Gemeinschaft entstand, in deren Mittelpunkt die individuelle Förderung und Unterstützung jedes einzelnen Schülers bei der Erreichung der gesetzten Leistungsziele im Vordergrund steht.  
 
Leistung steht dabei als zentraler, positiv konnotierter Begriff im Fokus des schulischen Selbstverständnisses. Variable Unterrichtsformen und –methoden werden nicht als Wert per se gesehen, sondern stehen im Dienst der Vermittlung kognitiver Kompetenzen. Hilfsbereitschaft und Förderung werden nicht als „Wohlfühlfaktoren“ missverstanden, sondern zielen stets auf die Entwicklung und Förderung individueller Leistungsstärken. Eine wichtige Aufgabe sieht die Schule darüber hinaus - neben ihrem traditionellen Schwerpunkt in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik - in ihrem sozialen Engagement, in künstlerisch-musisch-ästhetischen Angeboten und der Entwicklung eines positiven pädagogischen Klimas. Sie zeigt große Aufmerksamkeit bei der Entwicklung von Sozialgemeinschaften und Helfersystemen und bemüht sich, Aufgaben so zu stellen, dass sie dem Wissensstand der Lernenden angepasst sind. Aktiv bemüht sie sich um außerschulische lokale und überregionale Kontakte und Kooperationen mit öffentlichen Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen.  
 
Die Schule begreift sich dabei immer auch als lernende, sich entwickelnde Institution, in der die Kooperation der Kolleginnen und Kollegen, kollegiale Hospitationen und Feedback, die Steuergruppe und die gemeinsame Unterrichts- und Schulentwicklung eine große Rolle spielen. Angebotene externe Beratung und Evaluation nimmt sie nicht nur an, sondern fordert sie ein und greift identifizierte Handlungsbedarfe aktiv auf. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Steuerungsgremien der Schule und nicht zuletzt eine engagierte Schulleitung, für die Führung nicht nur Anspruch sondern auch soziale und pädagogische Verpflichtung darstellt.  
 
Nicht nur als Anerkennung für die bemerkenswerte geleistete Arbeit sondern auch weil diese Schule beispielgebend ist für die Potenziale, die in der Entwicklung gymnasialer Schulformen stecken, verleiht die Jury den Hauptpreis des Saarländischen Schulpreises 2012/13 an das Technisch-Wissenschaftliche Oberstufengymnasium Dillingen."  


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